Mittwoch, 20.03.2002

 

Verzweifelte Suche nach dem kleinen Christian

Der knapp Dreijährige ist vermutlich in die Sieg gestürzt - Seine Mutter verlor ihn aus den Augen - Schüler, Polizisten, Hubschrauber, Taucher und Hunde waren bis nach Einbruch der Dunkelheit im Einsatz

Von Jost Neßhöver (Text) und Holger Arndt (Fotos)

Eitorf. Polizisten, Feuerwehrleute und viele Eitorfer waren den Donnerstag über vor allem mit der Suche nach einem fast drei Jahre alten Jungen beschäftigt. Mit enormem Aufwand versuchten die Menschen das Kind zu finden, das die Mutter seit etwa 8.20 Uhr vermisste. Vergebens, bis zum Abend fand niemand den kleinen Christian.

Taucher mühten sich in den trüben Fluten vergeblich, eine Spur zu finden.

Laut Polizei war die Mutter mit Jungen, der im April drei Jahre alte wird, an der Sieg unweit des Siegtal-Gymnasiums spazierengegangen. Dass ihr Sohn verschwand, bemerkte sie offenbar zunächst nicht. Als es schon zu spät war, suchte sie ihr Kind. Schüler des Gymnasiums beteiligten sich spontan an der Suche. Über das Sekretariat der Schule wurde die Polizei verständigt.

Trügerische Hoffnung

Nach und nach beteiligten sich immer mehr Leute an der Suche. Zeitweise waren gleichzeitig die Besatzungen von 15 Streifenwagen entlang der Sieg unterwegs. Dazu kamen die Angehörigen der Feuerwehren Eitorf und Hennef, weil schnell der Verdacht aufkam, das Kind könne in den Fluss gefallen und abgetrieben worden sein. Aus der Luft unterstützten die Besatzungen des Polizeihubschraubers Hummel 6 und eines Rettungs-Helikopters die Aktion am Boden.

Taucher der Kölner Berufsfeuerwehr und der Rettungsgruppe des DRK Bonn/Rhein-Sieg eilten an die obere Sieg. Die starke Strömung im trüben Wasser erschwerte die Suche, den Tauchern wurde mehrfach die Maske vom Gesicht gerissen.

Immer dabei außerdem Eitorfer Schüler und Bürger. Am Nachmittag verstärkten Beamte der Bereitschaftspolizei die Suchtrupps. Gegen 15.30 Uhr waren 144 Leute im Einsatz. Hundeführer brachten außerdem Spürhunde nach Eitorf und ans Siegufer. Mit Lautsprecherdurchsagen machten die Beamten die Menschen auf den Straßen aufmerksam. Trügerische Hoffnung kam gleich mehrfach auf. So wollten Schüler gegen 11.30 Uhr den kleinen Jungen im Park gesehen haben. Darauf konzentrierte sich ein Teil der Suchenden auf das weitläufige Gelände. Dann kam aus Troisdorf die Meldung, ein Kind sei in einem Kindergarten gefunden worden, auf das die Beschreibung in etwa passte. Zehn Minuten später schon die Enttäuschung: Es war nicht der gesuchte Zweijährige

Schon am Morgen begann die groß angelegte Suche am Eitorfer Siegufer.Dann hieß es, der Junge könnte seinem Bruder gefolgt sein. Der Grundschüler soll mit der Klasse einen Ausflug nach Niederkassel unternommen haben, der kleine Bruder sei möglicherweise in den Bus eingestiegen. Auch diese Vermutung bestätigte sich nicht.

Die Helfer ließen keinen Ort aus bei der fieberhaften Suche. Jeden Winkel des Parks und des Gymnasiums nahmen sie unter die Lupe, stets unterstützt von den Schülern. Polizeihunde versuchten, auf dem alten Eitorfer Freibadgelände eine Spur aufzunehmen. Die Hubschrauber schwebten im Tiefstflug und im Schritttempo den Fluss entlang, die Besatzungen hielten aus geöffneten Türen Ausschau.

Immer noch keine Spur

Am späten Nachmittag forderte die Einsatzleitung erneut den Polizeihubschrauber an. Der Pilot steuerte gegen 16.50 Uhr die Siegfähre in Bergheim an, weil dort jemand einen in der Sieg treibenden gelblich-grünen Gegenstand gesehen hatte. Diese Farbe hat die Jacke des kleinen Christian. Vom Helikopter aus war allerdings nichts zu entdecken.

In der Nacht unterbrachen die Suchmannschaften den Einsatz. Am Freitag wollen sie bei Tageslicht weitermachen. Die Polizei bittet um Hilfe bei der Suche. Christian hat dunkle Haare und dunkle Augen. Bekleidet war er mit einer gelblich-grünen Regenjacke, blauer Hose und schwarz-weißen Turnschuhen. Hinweise an (0 22 41) 54 10.

 

Quelle: General-Anzeiger Bonn, Internetartikel vom 21.03.2002