Hintergrund: Tauchzeit, Sicherheits-Stopps und Taucherkrankheit
Beim Abtauchen erhöht sich der
Umgebungsdruck, welchem der menschliche Körper ausgesetzt wird, pro 10m Tiefe um
1 bar. Inertgase wie Stickstoff (N2), welches der Taucher mit der
Atemluft über seine Pressluftflasche erhält, lösen sich unter diesen Bedingungen
in größerem Ausmaß in den Geweben und Körperflüssigkeiten (Abb. 1).

Der Begriff Inertgas besagt, dass z.B. das N2 von den Organen nicht verstoffwechselt wird, sondern sich im Organismus anreichert. Mit zunehmender Tauchtiefe, also zunehmendem Stickstoff-Teildruck (Abb. 2),
vergrößert sich auch die Menge an Gas, welche vom Gewebe maximal gespeichert werden kann. Und je länger der Taucher unten bleibt, desto mehr nähert sich die Menge an aufgenommenem N2 diesem Maximum. Auch eine erhöhte Atemfrequenz, beispielsweise aufgrund von Stress oder Kälte, beschleunigt die Aufsättigung des Körpers mit N2.

Dies birgt Probleme beim
Auftauchen, denn vor zu starker Senkung des Umgebungsdrucks, beispielsweise
durch Erreichen der Oberfläche, muss all dieses zusätzlich gelöste Gas den
Körper wieder verlassen haben. Geschieht dies nicht, perlt es aufgrund der
erneut herabgesetzten Löslichkeit in den Geweben aus, wie beim schnellen Öffnen
einer Mineralwasserflasche. Diese Gasbläschen bewirken unter Umständen Störungen
von Organfunktionen und Mikroembolien im Gefäßsystem. Die Folge dessen ist mit
unterschiedlicher zeitlicher Verzögerung das Auftreten der Taucherkrankheit
(Caisson-Krankheit): Rötliche, juckende Flecken der Haut sowie Gelenkschmerzen
als Erstmanifestation, in schwereren Fällen treten Zeichen einer Lungenembolie
und leichte bis schwere neurologische Ausfallerscheinungen einschließlich
Bewusstlosigkeit auf (Abb. 3).
Um dies zu vermeiden, kehren Taucher nur langsam wieder an die Oberfläche zurück, und legen auf dem Weg dorthin Sicherheitsstopps ein (Abb. 4), um das überflüssige Gas „abzuatmen“. Diese Dekompressions-Stopps müssen bei der Planung eines Tauchganges berücksichtigt werden (Luftvorrat!), sie fallen umfangreicher aus, je tiefer und länger ein Tauchgang war.

Zur besonderen Rettungsdienstlichen Versorgung der Caisson-Krankheit gehört neben der Sicherung der Vitalfunktionen unter anderem die Gabe von reinem Sauerstoff und kristalloider Infusionslösung, sowie das zügige Verbringen des Patienten in eine Druckkammer zur Rekompression und Hyperbaren Sauerstofftherapie.
© 2003 J. Menzel-Severing