Fachwissen kompakt: Tiefenrausch

 

 

Mit 78 Vol.-% macht Stickstoff (N2) den Hauptanteil unserer Atemluft aus. Zwar wird N2 beim Gasaustausch in der Lunge vom Körper aufgenommen, jedoch nimmt es als so genanntes „Inertgas“ nicht am Stoffwechselgeschehen im menschlichen Körper teil.

Sobald jedoch der Körper - und mit ihm das Gas - dem beim Tauchen auftretenden höheren Umgebungsdruck ausgesetzt werden, löst sich das Gas zunehmend in den Zellen des ZNS (Abb. 1).

Das Membranpotential der Neurone wird verändert und dadurch die zentralnervöse Reizweiterleitung beeinflusst.

Dies kann bei dem betroffenen Taucher zu folgenden Symptomen führen (Abb. 5):

 

-          Gefühl des Rausches mit Euphorie oder Panikattacken.

-          Verlust der Fähigkeit, die eigene Situation und Leistungsfähigkeit adäquat einzuschätzen.

-          Kritiklosigkeit und mangelnde Konzentrationsfähigkeit.

-          Sinnestäuschungen wie das Sehen von bunten Farben und Lichtblitzen sowie „Tunnelblick“.

-          Schnelle, flache Atmung.

-          Gedächtnisverlust, Somnolenz bis Bewusstlosigkeit.

 

 

Abhängig vom Trainingszustand und Tagesform erscheinen derartige Beeinträchtigungen oft schon ab einer Tiefe von 25m. Restalkohol oder Medikamente, Stress, Schlafmangel sowie Unterkühlung begünstigen einen Tiefenrausch bereits ab 10m Tiefe.

 

Besserung tritt oft zügig nach Aufsuchen geringerer Tauchtiefen ein. Spätfolgen der Stickstoffeinwirkung sind nicht bekannt. Jedoch ist es mit Blick auf die genannten Symptome nicht unwahrscheinlich, dass der Taucher aufgrund seines Rauschzustands sekundär einen Tauchunfall erleidet. Den in der Folge auftretenden Notfällen, z.B. unter Wasser zugezogene Wunden, Barotraumata (Verletzungen durch die sich in Körperhöhlen beim Aufstieg ausdehnende Luft), Ertrinken oder Caisson-Krankheit, muss sich der Rettungsdienst fachmännisch annehmen. 

 

© 2003 J. Menzel-Severing