Johannes Menzel-Severing, Wasserwacht Bornheim
Für seine Taucher im Rettungsdienst veranstaltete die Wasserwacht des DRK-Landesverbands Nordrhein im November 2003 ein Wochenendseminar zum Thema „Tauchmedizinische und technische Besonderheiten beim Tauchen in größeren Tiefen“. Besonderes Merkmal dieser Veranstaltung im Bundeslehr- und Forschungszentrum der DLRG in Berlin war die dort vorhandene Überdruckkammer, in der Tauchtiefen bis zu 150 m simuliert werden können.

Innenansicht der Druckkammer im oberen Teil des Turms, Taucher beim Abstieg
Jeweils zweimal stiegen die Teilnehmer aus Neuss, Bornheim und Bonn in drei Gruppen zu 6 Tauchern in den engen Tauchturm, um zunächst in einer Druckkammer einem Luftdruck von mehr als 5 bar ausgesetzt zu werden. Unter diesen Bedingungen tauchten sie anschließend durch eine aufrechtstehende, wassergefüllte Röhre in die 8 m unterhalb der Druckkammer liegende Arbeitskammer ab. Die Druckverhältnisse entsprachen dort einer Tauchtiefe von 50m – eine Tiefe, die die DRK-Taucher im regulären Einsatzfall nie erreichen sollten. Unter Wasser galt es dann unterschiedliche manuelle Tätigkeiten zu verrichten, wie sie Tauchern im Rettungsdienst auch bei einem realen Einsatzgeschehen abverlangt werden können. Hierzu stand aufgrund der Tiefe eine nur 12-minütige Grundzeit zur Verfügung. Im Anschluss begann die kontrollierte, langsame Dekompression, inklusive mehrerer Sicherheitsstopps (Erläuterungen hier: Tauchzeit, Sicherheits-Stopps und Taucherkrankheit).

Übersicht der obersten Ebene der Tieftauchanlage mit Einstieg, Behandlungskammer, Steuergeräten
Die Wasserwacht-Helfer konnten in der Simulation die Auswirkungen großer Tauchtiefen auf Körper und Psyche am eigenen Leib erfahren. Anhand von Zeitmessungen über die im Tauchturm angebrachte Kamera konnte während der Arbeiten unter hohem Druck eine deutliche Verlangsamung der Leistungsfähigkeit aller Teilnehmer festgestellt werden. Einige erlebten auch subjektiv einen beginnenden Tiefenrausch (Erläuterungen hier: Fachwissen kompakt - Tiefenrausch). Was im Freigewässer Lebensgefahr bedeutet, erfolgte hier glücklicherweise unter den kontrollierten und sicheren Bedingungen einer Simulation im Tauchturm.
Ergänzend zum praktischen Anteil der Fortbildung vermittelten Vorträge verschiedener Referenten der Wasserwacht das Wissen über physikalische und physiologische Einflüsse, die beim Aufsuchen größerer Tiefen zum Tiefenrausch führen können. In diesem Zusammenhang wurde auch auf spezielle technische Anforderungen sowie die notfallmedizinische Versorgung verunfallter Taucher eingegangen.

Das Plenum während des Theoretischen Lehrgangsanteils
Auch wenn vergleichbare Tauchtiefen im Regeleinsatz nicht erreicht werden, stehen die Taucher der Wasserwacht aufgrund widriger Bedingungen meist unter starkem Stress. Daher sind sie selbst besonders gefährdet, während ihrer Tätigkeiten unter Wasser einen Tiefenrausch zu erfahren. Die durch diese Fortbildungsveranstaltung gewonnenen Erkenntnisse verleihen den Tauchern im Rettungsdienst bei ihrer Arbeit ein höheres Maß an Sicherheit. Dies wurde erreicht durch das bessere Erkennen und Bewerten der eigenen Reaktionen und der der Mittaucher, durch das Wissen um die persönliche Leistungsfähigkeit und ihrer Grenzen, sowie durch das Teamtraining. Ein derartiges Sicherheitstraining sucht in anderen Bereichen des Rettungsdienstes derzeit noch seinesgleichen.
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Literatur:
Schroeder S, Rosenberg A. Beinahe-Ertrinken: Sofortmaßnahmen am Notfallort. RETTUNGSDIENST 2002, 25:478-481
Schroeder S, Hubbert T, Czerwinski M, Papenfuss K, Hering R. Notfallmedizinische Versorgung des schweren Tauchunfalls. RETTUNGSDIENST 2003, 26:1070-1077
Mebane GY. Bove AA, Davis JC (Hrsg.) Diving Medicine. Philadelphia, London, Toronto: WB Saunders, 1990: 95-104